Mali
Mali zeichnet sich durch eine grosse Vielfalt aus: In dem westafrikanischen Binnenland gelten 13
Amtssprachen, die Bevölkerung setzt sich aus Gruppen mit vielen unterschiedlichen kulturellen, sozialen und
ethnischen Hintergründen zusammen.
Die über 21 Millionen Einwohner*innen Malis sind in ihrem Alltag mit den Auswirkungen einer anhaltenden
Krise konfrontiert. Seit der französischen Kolonialherrschaft ist das Land Schauplatz verschiedener
Machtkämpfe, was sich bis heute in asymmetrischen Machtverhältnissen niederschlägt. 2012 brachen bewaffnete
Kämpfe im Norden des Landes aus, gefolgt von zwei Staatsstreichen in den Jahren 2020 und 2021.
Besonders im Norden und im Zentrum des Landes kommt es bis heute immer wieder zu terroristischen Anschlägen
und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Rund 375'000 Menschen sind gemäss der UNO innerhalb des Landes auf der
Flucht. 2023 benötigten 8,8 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.
Auf Druck der Militärregierung hat Frankreich seine letzten Soldaten Mitte des Jahres abgezogen. Auf Ende
des Jahres 2023 wurde dann der zehnjährige Einsatz der UN-Friedensmission Minusma beendet. Die
Präsidentschaftswahlen, die zunächst für 2024 vorgesehen waren, wurden nach Anschlägen im September 2023 auf
unbestimmte Zeit verschoben.
Die anhaltenden Konflikte wirken sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Nebst den Konflikten
beeinträchtigt der Klimawandel die Wirtschaft. Die Regenzeiten werden kürzer, dafür intensiver, was
abwechselnd die Gefahr von Dürre und Überschwemmungen mit sich bringt. Darunter leiden die Viehzucht und die
Landwirtschaft – einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Malis.
Für Frauen ist die Situation in vielen Bereichen besonders herausfordernd, etwa in Bezug auf die Gesundheit:
Die Säuglings-, Kinder- und Müttersterblichkeitsraten sind in Mali enorm hoch. Gründe dafür sind unter
anderem der eingeschränkte Zugang zur Familienplanung, Teenager-Schwangerschaften, kurze Abstände zwischen
Geburten und der Mangel an geburtshilflicher und neonataler Notfallversorgung. 89 Prozent der Frauen im
Alter von 15 bis 49 Jahren sind an ihren Genitalien beschnitten. Angesichts der patriarchalen Strukturen und
zusätzlich wegen der prekären Sicherheitslage besteht in fast allen Regionen des Landes für Frauen ein
verstärktes Risiko für sexualisierte Gewalt.