Westafrika • Senegal

Senegal

Senegal zeichnet sich durch eine kulturelle und ethnische Vielfalt sowie eine von politischer Stabilität geprägte Geschichte aus. Im Jahr 2023 umfasste die Bevölkerung rund 18 Millionen Menschen, von denen über 60 Prozent jünger waren als 25 Jahre. Die Entwicklung des Landes wird gebremst durch Energieknappheit, Nahrungsmittelkrisen, hohes Bevölkerungswachstum, hohe Arbeitslosigkeit und die Ausbeutung der zur Hauptsache exportierten wirtschaftlichen Ressourcen des Landes durch die nördlichen Länder, insbesondere Frankreich.

Politisch gesehen gilt Senegal im Vergleich zu anderen westafrikanischen Ländern als ein Referenzland in Bezug auf die Demokratie. Seit 2021 hat die Kontroverse über die Möglichkeit des derzeitigen Präsidenten Macky Sall, 2024 für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, jedoch zu Spannungen und Zweifeln an der demokratischen Ausrichtung des Landes geführt. Die Behörden gingen immer härter gegen Oppositionelle vor. Seit 2021 sind Hunderte von Regierungsgegnern verhaftet worden, bei Protesten töteten Sicherheitskräfte mehrere Dutzend Demonstrierende.

Die Entwicklungen sind auch auf regionaler Ebene von Bedeutung. Senegal gilt als verlässlicher Partner in der bereits destabilisierten Sahelzone. Nach den Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger ist die Sorge gross, dass in einem weiteren Land demokratische Mechanismen ausgehebelt werden könnten. 2010 wurde ein progressives Gleichstellungsgesetz verabschiedet. Dennoch bestehen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem begrenzten Zugang zu Sexualaufklärung, zu Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit und der hohen Rate an Heiraten Minderjähriger.

In den vergangenen Jahren wurden Initiativen gestartet, um Sexualerziehung in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen, trotzdem gibt es Lücken. Jugendliche haben oft nur begrenzten Zugang zu genauen und umfassenden Informationen über sexuelle und reproduktive Gesundheit, was zu riskanten Verhaltensweisen und einer erhöhten Anfälligkeit für sexuell übertragbare Infektionen und ungewollte Schwangerschaften beitragen kann.

Insbesondere in ländlichen Gebieten sind frühe Eheschliessungen verbreitet. Frühehen sind häufig mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen im Zusammenhang mit der Gesundheit von Müttern und Kindern sowie mit einem eingeschränkten Zugang zu Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten für Mädchen verbunden.

Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit sind inzwischen für einen Teil der Bevölkerung besser zugänglich als früher. Es bestehen jedoch weiterhin Ungleichheiten zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Junge Menschen, insbesondere Mädchen und junge Frauen, können immer noch auf Hindernisse stossen, wenn sie Gesundheitsdienste in Anspruch nehmen, etwa Stigmatisierung, Mangel an vertraulichen Informationen und an Dienstleistungen, die auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Senegal

Projekte

Frühschwangerschaften und HIV/Aids reduzieren
Unsere Partnerorganisation AcDev (Action et Développement) informiert Jugendliche zu Themen wie Sexualität, reproduktive Gesundheit und Rechte. Dies hilft, die Tabuisierung der Sexualität zu durchbrechen. Junge Erwachsene sind oft mangelhaft aufgeklärt und haben nur eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und Prävention. Dadurch sind sie Risiken wie HIV und Frühschwangerschaften ausgesetzt. Das Jahr 2023 zeichnete sich durch eine Ausweitung der Projektaktivitäten aus, mit Schwerpunkt auf der Sensibilisierung und Beratung von Jugendlichen. 20 Leiter*innen von Jugendverbänden in drei Distrikten besuchten eine Schulung zur Stärkung ihrer organisatorischen Kompetenzen. Die Sensibilisierung übertraf die Erwartungen mit 141 Gesprächen (statt der geplanten 62). Die Zusammenarbeit mit dem lokalen Radiosender sowie organisierte Dialoge brachten Jugendliche, Eltern und Führungspersonen zu Diskussionen zusammen. Die Aktivitäten in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit erreichten 3'924 Teenager mit Themen wie sexuell übertragbare Krankheiten, geschlechtsspezifische Gewalt und Teenager-Schwangerschaften. Mobile Teams boten 2612 Jugendlichen ihre Dienste an. Das Engagement der lokalen Behörden zeugt von einer wachsenden Unterstützung für die sexuelle und reproduktive Gesundheit von Jugendlichen in der Region.

Projektkosten*: CHF 94'000.–

Senegal Frühschwangerschaften und HIV/Aids reduzieren

Aufwachsen ohne Angst vor Beschneidung
Das Projekt unserer Partnerorganisation Eusobul schloss 2023 sein drittes Jahr ab und startet 2024 in eine neue Projektphase. Das Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen ein Aufwachsen in Sicherheit und Gesundheit zu ermöglichen. Das bedeutet, gegen weibliche Genitalbeschneidung und frühe Verheiratung vorzugehen, aber auch Themen wie gewaltfreie Erziehung, häusliche Gewalt und die Rechte von Kindern und Jugendlichen einzubeziehen. Zu den Schwerpunkten gehörten positive Elternschaft, Austausch zwischen Eltern und das Engagement von Jugendlichen. Im Rahmen des Projekts berichteten 77 Prozent der Jugendlichen von einer Verbesserung der Beziehungen innerhalb der Familie. Erreicht wurde dies unter anderem durch Schulungen, die 389 Personen erreichten, und 23 Austauschgruppen mit insgesamt 2520 Teilnehmenden. Jugendliche von 12 Schulen waren aktiv in die Initiativen des Projekts involviert. Sie übernahmen etwa Patenschaften für 344 Neugeborene, um sicherzustellen, dass ihre medizinische Versorgung gewährleistet ist und sie nicht beschnitten werden. Mit Erfolg: Bisher wurde keines der Babys beschnitten. Religiöse Führungspersonen veranstalteten Konferenzen über gewaltfreie Erziehung und klärten auf über die islamische Sicht auf Gewalt gegen Kinder und Frauen. Ihr Einfluss trug dazu bei, die Wahrnehmung von weiblicher Genitalbeschneidung zu verändern. Die Projektphase schloss mit einer Veranstaltung ab, bei der Beschneiderinnen öffentlich erklärten, dass sie keine weiblichen Genitalbeschneidungen mehr durchführen werden.

Projektkosten*: CHF 97'000.–

Senegal Aufwachsen ohne Angst vor Beschneidung

Sexualaufklärung für Jugendliche
Das Projekt unserer Partnerorganisation Intermondes zielt darauf ab, den Zugang von Jugendlichen zu Informationen und Dienstleistungen in den Bereichen sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie gegen Gewalt zu verbessern. Eine verbesserte Kommunikation zwischen den Jugendlichen, Eltern und Personen, die sich in der Advocacy-Arbeit engagieren, ist ebenfalls ein Ziel. 2023 nahmen 2160 Jugendliche und junge Erwachsene an Aktivitäten von Intermondes teil. 87% der Jugendlichen gaben an, ihr Wissen verbessert zu haben und verantwortungsvolle Entscheidungen über sexuelle Beziehungen treffen zu können. Ausserdem nutzten 39% die Angebote zu sexueller und reproduktiver Gesundheit. Zu den Aktivitäten gehören zum Beispiel Gruppendiskussionen, interaktive Lernspiele und WhatsApp-Gruppen. Ausgebildete Führungspersönlichkeiten werden in Advocacy-Aktionen eingebunden und tragen zur Prävention von Teenagerschwangerschaften und genderbasierter Gewalt auf lokaler und nationaler Ebene bei.

Projektkosten*: CHF 108'000.–

Senegal Sexualaufklärung für Jugendliche

*Kofinanzierung DEZA

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