Albanien
Albanien befindet sich seit 2022 in den EU-Beitrittsverhandlungen. Trotz Reformen steht das Land vor
grossen Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung. Der Anteil der
Frauen an der Erwerbsbevölkerung ist nach wie vor gering, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo der Zugang
zu Erwerbsarbeit und Bildung beschränkt ist. Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2023 bei 3,1%, eine
deutliche Abschwächung im Vergleich zum Vorjahr (4,9%). Die Inflation wirkt sich auf den Konsum aus und
verschärft Armut und Ungleichheit. Zusätzlich haben Kürzungen der staatlichen Ausgaben im sozialen Bereich
negative Auswirkungen. Insbesondere marginalisierte Gruppen haben nicht immer Zugang zu benötigten
Dienstleistungen. Mit Diskriminierung ist insbesondere die Roma-Gemeinschaft konfrontiert, unter anderem in
Bereichen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Arbeit und Wohnen.
Die politische Landschaft widerspiegelt eine Kluft zwischen den Geschlechtern – von insgesamt 144
Bürgermeisterkandidat*innen waren 2023 lediglich 15 Frauen. Geschlechtsspezifische Ungleichheiten bestehen
in Albanien trotz gesetzlicher Reformen fort. Häusliche Gewalt ist nach wie vor weit verbreitet. Die
Strafverfolgungsbehörden sind oft nicht in der Lage, Fälle angemessen zu bearbeiten oder Vergewaltigungen in
der Ehe als Verbrechen anzuerkennen. Im gesamten Land wurden im Jahr 2023 5065 Anzeigen infolge häuslicher
Gewalt erstattet, in 13 Fällen endete die Gewalt im Feminizid. Bemühungen, gegen geschlechtsspezifische
Gewalt vorzugehen, sind jedoch vorhanden. Im Dezember 2023 wurde eine nationale Strategie zum Schutz von
gewaltbetroffenen Frauen verabschiedet. Sie zielt darauf ab, die Opferhilfe zu verbessern und gegen
geschlechtsspezifische Gewalt vorzugehen. Zudem wurde ein Aktionsplan für psychische Gesundheit
verabschiedet, um gewaltbetroffene Frauen zu unterstützen.
Zu den Bemühungen um eine bessere Gleichstellung der Geschlechter gehörten im Jahr 2023 trotz der
finanziellen Engpässe staatliche Initiativen zur Berücksichtigung von Geschlechtergerechtigkeit in der
Budgetplanung und zur Aufstockung der finanziellen Hilfe für alleinerziehende Mütter, Betroffene von
häuslicher Gewalt und Menschenhandel.
Frauen und marginalisierte Gemeinschaften sehen sich jedoch weiterhin mit systemischen Diskriminierungen
konfrontiert. Bei der Umsetzung von Gesetzen zum Schutz der Rechte von Frauen gibt es nach wie vor
Herausforderungen. Neue Gesetzesvorschläge wurden kritisiert, weil sie den Zugang zur Justiz für Betroffene
von geschlechtsspezifischer Gewalt einschränken könnten.
Nachhaltige Fortschritte bei der Beseitigung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten erfordern ganzheitliche
Ansätze. Unter anderem müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Strafverfolgung verbessert werden
und der Zugang zu sozialen Diensten muss auch für marginalisierte Gruppen gewährleistet sein.