Westafrika • Burkina Faso

Burkina Faso

Burkina Faso befindet sich aktuell in einer Krise. Nachdem das Land 1960 seine Unabhängigkeit erlangte, war es lange Zeit politisch stabil, doch inzwischen wird es von mehreren Konflikten erschüttert. Seit etwa sechs Jahren nimmt die Zahl der terroristischen Anschläge durch islamistische Gruppen kontinuierlich zu, immer mehr Landesteile sind betroffen. Über zwei Millionen Menschen sind innerhalb von Burkina Faso auf der Flucht. Die Sicherheitslage und der Klimawandel verschärfen die angespannte Ernährungssituation in vielen Regionen. Am 30. September 2022 kam es zum zweiten Putsch innerhalb von acht Monaten. Auch im Jahr 2023 war die Situation im Land von Unsicherheit geprägt.

Unter diesen Bedingungen haben die meisten Jugendlichen keinen Zugang zu Informationen und Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Die Sexualerziehung an Schulen ist unzureichend und häufig durch konservative kulturelle Normen eingeschränkt. Soziale und religiöse Tabus schüren Stigmatisierung und Schweigen über Sexualität und behindern einen offenen Dialog.

Frühe Eheschliessungen und Schwangerschaften sind vor allem in ländlichen Gebieten verbreitet. Verheiratete oder schwangere Mädchen gehen in der Regel nicht mehr zur Schule, wodurch ihnen die Bildung vorenthalten wird. Je jünger ein Mädchen bei einer Schwangerschaft ist, desto höher ist das Risiko von Komplikationen. Die Kosten für medizinische Dienstleistungen und Verhütungsmittel sind jedoch gerade für junge Menschen oft unerschwinglich. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist die Gesundheitsinfrastruktur begrenzt.

Zudem hält ein Mangel an Privatsphäre junge Menschen davon ab, Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit in Anspruch zu nehmen. Sexuell übertragbare Infektionen wie zum Beispiel das HI-Virus sind ein grosses Problem. Personen, die mit HIV leben, werden stigmatisiert Entsprechend meiden viele Menschen entsprechende Untersuchungen.

Insgesamt sind Jugendliche in Burkina Faso schlecht über Risiken, Verhütungsmethoden und verfügbare Dienstleistungen informiert. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, sind eine effektive Koordination, eine verbesserte Sexualerziehung, erschwingliche Gesundheitsdienste, eine Sensibilisierung der Gemeinschaft und eine Diskussion über soziale Normen von entscheidender Bedeutung.

BurkinaFaso

Projekte

Sexualaufklärung an Schulen
Das Projekt trägt dazu bei, die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie die Rechte von Jugendlichen in Kaya zu verbessern. Im vergangenen Jahr hat die Regierung von Burkina Faso das Programm «Erziehung zum Familienleben» in Schulen eingeführt. Dieses Programm behandelt Themen wie sexuelle Gesundheit, frühe Schwangerschaften, Beziehungen und Gewalt. Die Schulen verfügen jedoch nicht immer über die Ressourcen, um das Programm umzusetzen. Unsere Partnerorganisation Padesec, die bisher 16 Ausbilder*innen für sexuelle und reproduktive Gesundheit zur Unterstützung des Bildungssystems koordinierte, bildete 2023 vier weitere Personen aus, um der Nachfrage der Schulen gerecht zu werden. 16 Pilotschulen erklärten sich bereit, das Programm in die ausserschulischen Aktivitäten zu integrieren. Ausserdem wurde bei einem Treffen mit den lokalen Behörden deren Engagement für das Projekt sichergestellt. Schliesslich wurden 400 gedruckte Unterrichtseinheiten an die Schulen verteilt, um das Material für die Sensibilisierungsaktivitäten zu erweitern. Insgesamt besuchten 348 Jugendliche eine Schulung, die Themen wie Pubertät und Frühschwangerschaft behandelte. Die Mobilisierungsmassnahmen, die Bereitstellung gedruckter Materialien und die Eltern-Kind-Dialoge bildeten die Grundlage für die Einführung des Programms «Erziehung zum Familienleben» an 16 Schulen, wodurch 1120 Eltern erreicht wurden.

Projektkosten*: CHF 92'000.–

BurkinaFaso Sexualaufklärung an Schulen

Ein sicheres Leben für Frauen und Jugendliche in Goldminen
Das Projekt zielt darauf ab, den Schutz von Frauen und jungen Menschen zu verbessern, die in den Goldschürfstätten in den Gemeinden Mogtedo und Boudry dem Risiko von Gewalt, insbesondere sexueller Gewalt, ausgesetzt sind. Die Aktivitäten umfassen Sensibilisierungsveranstaltungen, den Aufbau von Schutznetzwerken und die Erfassung und Unterstützung von Betroffenen. Im Jahr 2023 erreichten die Sensibilisierungskampagnen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt 2200 Personen in vier Goldschürfstätten, begleitet von Radiokampagnen. Insgesamt wurden 41 Fälle von Rechtsverletzungen identifiziert und behandelt. Alle Betroffenen erhielten psychosoziale, gesundheitliche und rechtliche Unterstützung. Ein Schutznetzwerk wurde auf- und ausgebaut, wobei die Mitglieder in rechtlichen Angelegenheiten geschult wurden. Auf institutioneller Ebene werden lokale Institutionen mobilisiert, um psychosoziale, gesundheitliche und rechtliche Unterstützung zu leisten.

Projektkosten*: CHF 101'000.–

BurkinaFaso Ein sicheres Leben für Frauen und Jugendliche in Goldminen

Vorurteile Menstruation – ohne Scham darüber sprechen:
Im Jahr 2023 sah sich das Projekt grossen Herausforderungen gegenüber. Aufgrund von Terroranschlägen in benachbarten Regionen suchten viele Binnenflüchtlinge Schutz in der Projektregion in der Gemeinde Kaya, da diese als vergleichsweise sicher galt. Dies führte zu einem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen, von durchschnittlich 72 auf 120 Schüler*innen pro Klasse. Die Gesundheitszentren waren aufgrund der steigenden Zahl von Patient*innen ebenfalls überlastet. Trotz dieser Schwierigkeiten verfolgte unsere Partnerorganisation PADESEC ihre Projektaktivitäten weiter, mit dem Ziel, Schüler*innen zum Thema Menstruationshygiene zu sensibilisieren. 2023 verteilte PADESEC rund 200 Sets mit Damenbinden an besonders vulnerable Mädchen. Ein Teil davon wurde von im Projekt ausgebildeten Frauen hergestellt. Vorträge und eine Radiosendung über Menstruationshygiene erreichten rund 2160 Menschen. Zudem gründeten Produzentinnen von waschbaren Binden einen eigenen Dachverband. Auf Gemeindeebene werden derzeit Advocacy-Aktionen durchgeführt, um lokale Entscheidungsträger*innen für das Thema Menstruationsgesundheit und -hygiene zu mobilisieren. Institutionelle Treffen haben das Bewusstsein für Menstruationshygiene bereits geschärft und zu Entscheidungen für die Sanierung von Latrinen und Wasserstellen geführt.

Projektkosten*: CHF 47'000.–

BurkinaFaso Vorurteile Menstruation

*Kofinanzierung DEZA

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